Dr. med. J. C. Barry
Facharzt für Augenheilkunde
 
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Augen-ABC

Übersicht

Auge und Sehen – kurze Beschreibung von Anatomie und Funktionen des Sehsystems

Falls Sie keine Gelegenheit haben unsere Patientenvorträge zu besuchen, erfahren Sie hier wissenwertes zur Vor- oder Nachbereitung Ihres Praxis-Besuches.

  • Warum wir zwei Augen haben – von einem Vorteil, der nachteilig sein kann
  • Gutes Sehen ist mehr als zwei Augen und eine Brille
  • Gutes Sehen beruht auch auf Steuerung der Augenfunktionen
  • Gutes Sehen beruht auf der Auswertung der Licht-Eindrücke durch das Gehirn
  • Gesunde Augen in einem gesunden Körper – oculi sani in corpore sano
  • Der Augapfel – eine biologische Kamera in Tischtennisballgröße
  • Der vordere Augenabschnitt
  • Der hintere Augenabschnitt
  • Die Netzhaut – der lichtempfindliche Film im Auge
  • Die Makula – wenige Quadratmillimeter Gewebe von unschätzbarem Wert
  • Was ist das Gesichtsfeld?
  • Beidäugiges Einfachsehen ist gar nicht so einfach
  • Wo Licht ist, da ist auch Schatten
  • Die Aderhaut – Rundum-Versorger und Schutzengel der Netzhaut
  • Die Sehnerven – Videokabel zum Gehirn
  • Gutes Sehen beruht auch auf Steuerung der Augenfunktionen
  • Augenhöhlen – Schutz und Drehlager für die Augäpfel
  • Ständig in Bewegung – Augenmuskeln als Präzisionsstellglieder
  • Der Tränenapparat – ohne Schmieren geht nichts
  • Augen-Fensterläden – die Lider


Eine animierte Darstellung des Auges finden Sie in den web-Seiten des Berufsverbandes der Augebärzte.

 

Warum wir zwei Augen haben

Test

Warum wir zwei Augen haben – von einem Vorteil, der nachteilig sein kann

Gutes Sehen ist geradezu eine Voraussetzung für die aktive, erfüllte Teilnahme am Leben. Manche lebenswichtige Funktion unseres Körpers wird nicht in jedem Moment des Lebens gebraucht, oder kann zur Not durch Hilfsmittel ersetzt werden. Unser Sehsystem dagegen liefert in jedem wachen Moment Sehinformationen, ohne die das Leben für die meisten Menschen kaum vorstellbar ist. Künstliches Sehen wird noch auf lange Sicht keine Alternative dazu sein.

Zwei Augen hat der Mensch von Natur aus. Mit einem Auge allein kann man die meisten Sehfunktionen nutzen. Mit zweien erweitert sich das Gesichtsfeld und echtes räumliches Sehen wird möglich.

Darüber hinaus dient ein gut sehendes Partnerauge als Reserve-Auge, wenn einem Auge etwas zustößt – beispielsweise ein Unfall oder eine Sehverschlechterung durch Augenkrankheiten im Alter.

Diese Ersatzfunktion des Partner-Auges wird daran besonders deutlich, dass Patienten, die eine einseitige, allmähliche Sehverschlechterung erleiden, diese über lange Zeit nicht bewusst registrieren. Dies führt nicht selten dazu, dass Patienten sich erst spät zur augenärztlichen Untersuchung vorstellen – so spät, dass eine optimale Behandlung in Frage gestellt wird. Die Folge kann eine dauerhafte Seheinbuße sein.

Oft sind allerdings Risikofaktoren vorhanden, oder unklare Sehstörungen, die ein früheres Eingreifen ermöglichen, wenn der Patient über diese Zusammenhänge informiert ist und eigenverantwortlich handelt.

Gutes Sehen

Gutes Sehen ist mehr als zwei Augen und eine Brille

Voraussetzung für gutes Sehen ist, dass wenigstens ein Auge – oder besser zwei gut zusammen arbeiten und die Sehreize ungestört an das Gehirn weitergeleitet werden. Dort werden die Sehreize des rechten und linken Auges verarbeitet und verschmolzen und dann erst werden sie als ein Bild bewusst wahrgenommen.

Das bedeutet, dass „Seheindrücke“ erst im Kopf entstehen und eine intakte Signalkette vom Auge zum Gehirn Voraussetzung für das Sehen ist.

Ein Verbund von Videokamera (Augapfel), Videokabel (=Sehnerv und Sehbahn), Videorekorder und Bildschirm (=Gehirn) stellt eine Signalkette dar, die sich mit dem Sehsystem vergleichen lässt. Wichtiger Grundsatz ist, dass die Kette immer nur so stark ist wie das schwächste Glied. Ein defektes Kabel oder eine ausgefallene Kameraelektronik lässt sich Beispiels weise nicht durch ein besonders leistungsfähiges Objektiv ausgleichen – eine besonders leistungsfähige Kamera kann einen defekten Bildschirm nicht ersetzen u.s.w.

Auf das Sehen bezogen bedeutet dies, dass eine neue Brille z.B. einen Schaden des Sehnerven meist nicht ausgleichen kann. Dies unterstreicht die Bedeutung der Vorbeugung, d.h. Schäden wenn möglich zu vermeiden.

Gutes Sehen beruht auch auf Steuerung der Augenfunktionen

Ohne funktionstüchtigen Bildschirm weiß der Kameramann nicht, wohin seine Kamera zeigt usw. Sehen ist also keine Einbahnstraße der Seheindrücke zum Gehirn. Umgekehrt müssen z.B. Nervenimpulse vom Gehirn an die Augenmuskeln gesendet werden, damit die Augen in die richtige Richtung gucken, Lidschlag, Pupillenweite und Tränenfluss müssen stimmen usw.

Gutes Sehen beruht auf der Auswertung der Licht-Eindrücke durch das Gehirn

Erst im Gehirn werden die Seheindrücke nach Räumlichkeit, Farben, Bewegung, Formen, Kontrast usw. analysiert und bewusst wahrgenommen. Ein Schlaganfall kann daher zur Erblindung, Schielen oder Gesichtsfeldausfällen führen, obwohl die Augen selbst intakt sind. Sehstörungen können daher Ausdruck von Gehirn- oder Nervenerkrankungen sein.

Gesunde Augen in einem gesunden Körper

Gesunde Augen in einem gesunden Körper – oculi sani in corpore sano

Sehen und Augengesundheit haben daher enge Bezüge zum zentralen Nervensystem, dem Gehirn. Das Sehsystem beansprucht den größten Teil des Gehirns – dies zeigt, welchen hohen Stellenwert das Sehen für den Menschen hat.

Darüber hinaus spielt der allgemeine Gesundheitszustand eine Rolle für gutes Sehen, z.B. die Durchblutung und der Blutzucker, der Blutdruck u.a.m.

Daher gibt es viele Zusammenhänge zwischen der Augengesundheit und der allgemeinen Gesundheit. Dies sollte der Patient zur Vorsorge nutzen. Ihr Augenarzt und Ihr Hausarzt sind dafür die wichtigsten Ansprechpartner, jeder in seinem Fachgebiet. Sie werden Sie zu Untersuchungen in den betreffenden Fachgebieten auffordern, wenn dafür Anhaltspunkte vorliegen. Z.B. kann eine Augenentzündung ausgelöst sein durch Entzündungen der Nasennebenhöhle, so dass eine Hals-Nasen-Ohrenärztliche Untersuchung notwendig ist. Eine Sehverschlechterung oder Kopfschmerzen kann Untersuchungen durch den Hausarzt und einen Neurologen erfordern, um nur einige Beispiele zu nennen.

 

Der Augapfel – eine biologische Kamera

Der Augapfel – eine biologische Kamera in Tischtennisballgröße

Die Hülle des Augapfel (Globus oculi) wird aus der bindegewebigen, weißen Lederhaut (Sklera) gebildet. In die Lederhaut ist vorne ein klares gewölbtes Fenster eingelassen, die Hornhaut (Cornea). Durch sie fällt Licht ins Augeninnere. Die Hornhaut trägt den größten Teil zur Brechkraft des Auges bei, wodurch Sehdinge im Auge scharf abgebildet werden.

Zur Gesamt-Brechkraft des Auges tragen die Hornhaut und die dahinterliegende Augenlinse bei. Deren kombinierte Wirkung kann man vergleichen mit der einer Lupe oder mit einem Brennglas, das eine kurze Brennweite hat. Die Brechkraft wird in Dioptrien [D] gemessen. Je kürzer die Brennweite, desto höher die Brechkraft und umgekehrt. Die gesamte Länge des Auges beträgt im Durchschnittsauge etwa 24 Millimeter.

Damit ein entferntes Sehding scharf auf die Netzhaut abgebildet wird, muss der Brennpunkt des Auges recht genau auf der Netzhaut liegen. Wenn die Augenlänge und die Brennweite des Auges nicht exakt aufeinander abgestimmt sind, dann ist eine Fehlsichtigkeit (Ametropie) die Folge. Meist kann man dies durch eine Sehhilfe korrigieren. Auch Unregelmäßigkeiten der Wölbung von Hornhaut, Augenlinse oder Aderhaut verschlechtern das Bild, so dass aus punktförmigen Sehdingen Linien oder „Stäbe“ werden – man spricht von Stabsichtigkeit (Astigmatismus). Eine solche Verwölbung der Hornhautoberfläche – auch „Hornhautverkrümmung“ genannt - ähnelt der Hülle eines Weinfasses: die Wölbungen sind in Längs- und Querrichtung verschieden. Bei einer Kugelfläche ist sie dagegen in allen Richtungen gleich.

Der vordere Augenabschnitt

Der vordere Augenabschnitt

Nur der kleinste Teil des Augapfels ist bei geöffneten Lidern äußerlich sichtbar: die Hornhaut und die Regenbogenhaut, sowie ein kleiner Anteil der Lederhaut. Sie wird im vorderen Anteil überzogen von der fast durchsichtigen verschieblichen Bindehaut. Die Bindehaut geht in eine obere und untere Umschlagsfalte über und bildet die Innenseiten der Lider.

Hinter der Hornhaut liegt die mit Kammerwasser gefüllte vordere Augenkammer.

Nach hinten wird sie begrenzt von der farbigen Regenbogenhaut (Iris). In diese ist ein rundes Loch, die Pupille eingelassen. Im Normalfall sieht man als Betrachter eines Auges an der Stelle der Pupille nur eine schwarze Fläche. Dieses Loch kann sich je nach Lichteinfall verengen oder erweitern. Die Rückfläche der Iris ist dicht mit Licht undurchlässigem schwarzbraunen Pigmentzellen belegt, damit kein Licht durch das Irisgewebe ins Auge fällt. So wirkt die Iris wie eine Blende und gleicht in Sekundenbruchteilen Lichtmengenschwankungen aus.

Dort wo die Regenbogenhaut und die Hornhaut ineinander übergehen, liegt der Kammerwinkel. Es handelt sich um den spitz zulaufenden kreisförmigen Rand der vorderen Augenkammer. Im Kammerwinkel kann das Kammerwasser über ein feines Maschengewebe, das Trabekelmaschenwerk, abfließen, so dass der Augeninnendruck nicht zu hoch steigt.

Ein ausreichender Augeninnendruck ist erforderlich, damit der Augapfel steif ist und sich unter Bewegung nicht verformt. Dies ist Voraussetzung für gutes Sehen. Ein erhöhter Augeninnendruck dagegen schadet dem Auge. Es kann sich ein grüner Star (Glaukom) bilden.

Hinter der Iris liegt die klare Augenlinse, in Form und Größe einer Suppen-Linse vergleichbar. Sie trägt wie die Hornhaut zur Brechkraft des Auges bei, ist aber von veränderlicher Wölbung. Dadurch kann sie ihre Brechkraft so verändern, dass scharfes Sehen in der Nähe möglich ist. Diesen Vorgang nennt man Naheinstellung (Akkommodation).

Das Naheinstellungsvermögen ist in der Kindheit und Jugend am größten und lässt dann nach, weil die Augenlinse allmählich steifer wird. Ab der Lebensmitte wird dies besonders spürbar. So entsteht die Altersweitsichtigkeit (Presbyopie). Die Augenlinse wird von einem Kranz feiner elastischer Fasern – wie ein Trampolin gespannt – hinter der Regenbogenhaut gehalten. Diese Fasern, die Zonulafasern, enden am sogenannten Strahlenkörper (Ziliarkörper). Dies ist ein Ringmuskel, in den die Regenbogenhaut nach hinten übergeht. Über die Spannung des Ringmuskels und die Fasern wird die Wölbung der Augenlinse geregelt. Der Strahlenkörper ist mit einer pigmentierten Gewebeschicht (Ziliarepithel) überzogen, die das Kammerwasser produziert.

Der Raum hinter der Regenbogenhaut bis einschließlich der Augenlinse wird hintere Augenkammer genannt. Das Kammerwasser, das vom Ziliarkörper abgesondert wird, fließt von der hinteren Augenkammer an der Augenlinse vorbei durch die Pupille in die vordere Augenkammer. Dort strömt es zum Kammerwinkel, wo es zum größten Teil über das Trabekelmaschenwerk in eine Sammelröhre, den Schlemm`schen Kanal, abfließen kann. Wird mehr Kammerwasser produziert, als abfließen kann, steigt der Augeninnendruck. Ebenso steigt der Augeninnendruck, wenn ein Abflusshindernis auftritt: z.B. Verklebung der Pupille mit der Augenlinse, enger Kammerwinkel, undurchlässiges Trabekelmaschenwerk u.a.m.

Der hintere Augenabschnitt

Der hintere Augenabschnitt

Hinter der Augenlinse schließt sich der Glaskörper an, der das Auge innerlich ausfüllt. Es ist eine klare, leicht zähe Flüssigkeit – vergleichbar einem rohen Eiweiß. Der Glaskörper besteht jedoch zum größten Teil aus Wasser. Der Glaskörper sorgt innerlich für die Festigkeit des Augapfels und lässt das einfallende Licht ungehindert zum hinteren Augenpol gelangen.

Eingehüllt ist der Glaskörper in eine feine Hülle, die Glaskörpergrenzmembran, die an einigen Stellen fest mit der umgebenden Augenhülle verwachsen ist.

Aufgrund der lebenslang fortschreitenden, normalen Alterung des Glaskörpers und der ständigen Blickbewegungen der Augen, trennen sich der Wasseranteil und die festen Anteile und es bilden sich Trübungen, die als bewegliche Wölkchen oder Mücken wahrgenommen werden und gelegentlich stören können. Auch löst sich die Glaskörpergrenzmembran ab und reißt bei jedem Menschen früher oder später ein, so dass weitere Glaskörpertrübungen natürlicherweise auftreten. Ein Beeinträchtigung des Sehvermögens ist selten, wenn beide Augen gleich gut sehen.

Die Netzhaut

Die Netzhaut – der lichtempfindliche Film im Auge

An die Glaskörpergrenzmembran grenzt die innerste Gewebeschicht des Augapfels, die Netzhaut (Retina). Die Netzhaut kleidet fast den gesamten Augenbecher mit Ausnahme des vorderen Anteils innerlich aus. Die über sie hinwegziehenden feinen Haar-Blutgefäße geben ihr ein Netz artiges Aussehen, woher der Name rührt. Sie ist etwa 1/10 Millimeter dick und beherbergt die Licht empfindlichen Sinneszellen (Photorezeptoren), die Stäbchen (für die hell-dunkel Wahrnehmung) und die Zapfen (für die Farbwahrnehmung) im nach außen gewandten Anteil der Netzhaut. Vor allem die Stäbchen-Sinneszellen können sich der Lichtmenge langsam anpassen, indem sie die Lichtempfindlichkeit verändern, wenn die Umgebungshelligkeit abnimmt. Das ermöglicht das Dämmerungssehen, allerdings mit geringer Sehschärfe und ohne Farbempfinden.

Einfallendes Licht trifft nach Durchlaufen von Hornhaut, Vorderkammer, Augenlinse und Glaskörper vom Augeninnern erst auf die innen liegenden, durchsichtigen Netzhautschichten bevor die Sinneszellen gereizt werden. Sehreize werden von den Sinneszellen in elektrische Nervenimpulse umgewandelt. Dabei wirkt aktivierter Sehpurpur als Wandler. Nach jedem Lichtreiz muss der Sehpurpur vom Zellstoffwechsel regeneriert werden.

Weitere Zellen der vielschichtigen Netzhaut dienen der nachgeschalteten Reizverarbeitung oder haben Stütz- und Hilfsfunktionen. An der nach innen gewandten Seite der Netzhaut liegen Nervenzellen (Ganglienzellen) welche Zentimeter-lange, feinste Zellfortsätze aussenden. Diese durchsichtigen Nervenfasern (Axone) laufen in Bündeln über die Netzhaut und sammeln sich an einer Stelle, wo sie den Sehnerv bilden.

Um sich die Netzhautlage vorzustellen, kann man an einen Ball denken, der innerlich mit einer feinen Gewebeschicht überzogen ist. Frei von Netzhaut bleibt ein rund begrenzter Bereich im vorderen Teil des Augapfels, den der Strahlenkörper und die Regenbogenhaut einnehmen. Auf der genau gegenüberliegenden Seite des Augapfels, in der Mitte des hinteren Augenpols, liegt die Stelle des schärfsten Sehens.

Die Makula oder Netzhaut-Mitte

Die Makula – wenige Quadratmillimeter Gewebe von unschätzbarem Wert

Diese Region der Netzhaut hat eine besondere Bedeutung, nämlich für das scharfe und für das Farben-Sehen: der gelbe Fleck in der Netzhautmitte (Makula lutea) liegt am hinteren Pol des Auges, gegenüber der Pupille. Hier ist die Dichte der Sinneszellen besonders hoch, so dass das Auflösungsvermögen – die Fähigkeit feine Sehreize zu erkennen - der Makula höher ist als das der übrigen Netzhautstellen. Insbesondere steigt die Dichte der farbempfindlichen Zapfen zur Mitte der Makula hin stark an. Der gelbe Makula-Farbstoff (Xanthophyll) in den Netzhautzellen gibt dem gelben Fleck seinen Namen: Xanthophyll wirkt als Filter, der Ernergie reiches blaues Licht herausfiltert und schädliche Stoffwechselprodukte entgiftet und damit die empfindlichen Sinneszellen schützt. Damit ergänzt das Xanthophyll die Eigenschaften von Hornhaut und Augenlinse, die ebenfalls die schädlichen ultravioletten und blauen Lichtanteile zurückhalten.

Im Zentrum der Makula liegt die Sehgrube (Fovea centralis), deren Zentrum wiederum das Sehgrübchen (Foveola) darstellt. Dieses ist die Stelle mit der höchsten Zapfendichte und der höchstmöglichen Sehschärfe. Wird die Netzhaut an dieser Stelle gereizt, wird dieser Reiz vom Gehirn als „genau geradeaus“ oder „in der Mitte des Gesichtsfeldes“ empfunden.

Die Sehachse ist vereinfacht ausgedrückt eine gedachte Linie, welche das fixierte Sehding durch die Pupillenmitte mit der Foveola verbindet. Sie veranschaulicht die jeweilige Blickrichtung des Auges und zeigt in Richtung der Mitte des Gesichtsfeldes.

Was ist das Gesichtsfeld?

Was ist das Gesichtsfeld?

Das Gesichtsfeld eines Auges ist – streng formuliert - die Summe der Seheindrücke um das Sehzentrum herum ,die ein Auge allein bei fester Blickrichtung erfassen kann. Anschaulich formuliert: wenn man ein Sehding anschaut oder „fixiert“, dann nimmt man nicht nur diesen Sehreiz mit hoher Sehschärfe wahr, sondern auch an den Seiten, oben und unten werden Seheindrücke gleichzeitig erfasst, z.B. ein Fußgänger, der von der Seite ins Blickfeld gerät. Die Sehreize die von der Makula empfangen werden, werden als zentrales Gesichtsfeld wahrgenommen, die anderen Netzhautorte vermitteln die Seheindrücke „vom Rand“, das periphere Gesichtsfeld. Jeder Netzhautstelle wird dazu vom Gehirn eine Raumrichtung zugeordnet. Der Detailreichturm nimmt zum Rand hin stark ab.

Lässt man beide Augen bei fester Blickrichtung schauen, erhält man das beidäugige (binokulare) Gesichtsfeld indem sich beide einäugigen Gesichtsfelder überlagern. Der Überlappungsbereich der einäugigen Gesichtsfelder ist eine Voraussetzung für die Regelung der Augenstellung und für die Tiefenwahrnehmung, das räumliche Sehen (Stereosehen).

Beidäugiges Sehen

Beidäugiges Einfachsehen ist gar nicht so einfach

Um ein Sehding möglichst genau zu betrachten, wird der Augapfel mit Hilfe der Augenmuskeln so ausgerichtet, dass der Sehreiz genau auf die Stelle des schärfsten Sehens, die Foveola (Sehgrübchen) in der Mitte der Fovea (Sehgrube), fällt. Um beidäugig einfach zu sehen, müssen natürlich beide Augen abgestimmt ausgerichtet werden, und das für alle Blickrichtungen, Kopfhaltungen, im Stehen, Liegen, Laufen, für bewegte oder ruhende Sehdinge – dies leistet das Gehirn unbewusst, wenn regelrechtes beidäugiges Sehen in der Kindheit angelegt und eingeübt wurde. In diesem Regelmechanismus spielen viele Elemente und Voraussetzungen eine Rolle, z.B. die Reize, die vom Gleichgewichtsorgan herrühren, oder dass beide Augen ein möglichst intaktes Gesichtsfeld haben.

Die Sehgrube

Die Sehgrube

Um die höchste Sehschärfe in der Foveola (Sehgrübchen) zu erzielen, hat die Natur die Fovea (Sehgrube) in der Mitte frei von Netzhautgefäßen angelegt – diese würden den Lichteinfall behindern. Diese Gefäßfreiheit stellt eine ernorme Herausforderung an den Netzhaut-Stoffwechsel dar, denn einerseits haben die dicht an dicht gepackten Sinneszellen einen immens hohen Stoffumsatz, andererseits fehlt die Versorgung und Entschlackung durch die Netzhautgefäße. Darüber hinaus hat das einfallende Licht – selbst wenn es durch Hornhaut und Augenlinse gefiltert ist – langfristig schädlichen Einfluss auf die Sinneszellen und trägt zur Gewebe-Alterung bei. Durch einen intakten Zell-Entgiftungsstoffwechsel wird eine vorzeitige Alterung oder Makula-Erkrankung vermieden. Die Blutversorgung geschieht durch die Aderhaut, die gefäßreiche Gewebeschicht, die zwischen der Netzhaut und der Lederhaut liegt.

Eine gesunde Lebensführung, schützende Maßnahmen und augenärztliche Vorsorge können dazu beitragen, dass die empfindliche, nur wenige Quadrat-Millimeter große mit Nervenzellen vollgepackte Makula ein Leben lang gutes Sehen, z.B. Lesen, ermöglicht. Dabei helfen Ihnen Tipps vom Augenarzt.

Die Aderhaut

Die Aderhaut – Rundum-Versorger und Schutzengel der Netzhaut

Die Aderhaut (Choroidea) ist eine reich durchblutete Gewebeschicht mit mehreren Aufgaben. Der Blutfarbstoff verhindert, dass Streulicht durch die Lederhaut ins Augeninnere gelangt. Die hohe Durchblutung trägt zum sofortigen Ausgleich von Temperaturschwankungen an der Netzhaut bei – damit wird der Brennglaseffekt des Auges, der die Netzhaut direkt durch Überhitzung schädigen würde, verhindert. Und zu guter letzt sorgt die Aderhaut für den Stoffwechsel der Netzhaut, besonders wichtig im Bereich der Makula, indem Sauerstoff und Nährstoffe an- und Schlackenstoffe abtransportiert werden.

Dabei wird sie von einer weiteren, unscheinbaren, schwarzbraunen Zellschicht wesentlich unterstützt: diese wird Pigmentzellschicht (Pigmentepithel) genannt, die wie ein hauchdünner Film zwischen Aderhaut und Netzhaut liegt. Das Pigmentepithel schluckt das Licht, das die Netzhaut durchlaufen hat, womit störendes und schädliches Streulicht gedämpft wird. Außerdem regelt es den Netzhaut-Stoffwechsel, z.B. indem der Sehpurpur der angrenzenden Sinneszellen erneuert wird und Schlackenstoffe zum Abtransport durch die Aderhaut aufgenommen werden.

Es ist augenfällig, dass das feine Zusammenspiel von Stoffwechsel und Durchblutung in Netzhaut, Aderhaut und Pigmentepithel leicht durch Störungen aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann. Dabei spielen Umwelteinflüsse, Alterung und Anlage eine Rolle. Ein Beispiel dafür ist eine häufige Makula-Erkrankung, die altersbedingte Makuladegeneration.

 

Andere schwerwiegende Erkrankungen der Netzhaut sind Durchblutungsstörungen bei Diabetes, erhöhtem Blutdruck, Gefäßverstopfung, Entzündungen und Netzhautablösungen u.a.m. Je früher diese erkannt werden, desto besser kann der Patient behandelt werden. Bei unklaren Sehbeschwerden sollte man daher nicht warten, sondern notfallmäßig fachärztlich abklären.

Sind Risikofaktoren bekannt, dann sollte der Patient sich auf jeden Fall regelmäßig augenärztlich untersuchen lassen.

Natürlich profitieren auch Beschwerde freie Patienten von einer regelmäßigen Vorsorge.

Die Sehnerven

Die Sehnerven – Videokabel zum Gehirn

Bisher haben wir den Weg vom Sehding über die Abbildung und die Verarbeitung zum Sehreiz betrachtet, welche in den Zellfortsätzen der Netzhautnervenzellen weitergeleitet werden.

Dort wo die Nervenfasern sich vereinigen, bilden sie den Sehnervenkopf, auch Sehnervenscheibe (Papille) genannt. Diese hat einen Durchmesser von etwa 1-1,5 Millimeter. Zeichen einer gesunden Sehnervenscheibe sind z.B. die gute Durchblutung, die regelmäßige Begrenzung, und die intakte Füllung mit Nervenfasergewebe.

Die Fasern ziehen durch feine Öffnungen in der Lederhaut aus dem Auge heraus, wo sie eingehüllt von der harten Hirnhaut, gebündelt als Sehnerv (Nervus opticus) zur hinteren Spitze der Augenhöhle laufen. Der Sehnerv verläuft weiter im Schädel zur Sehnervenkreuzung (Chiasma), und von dort als Sehstrang (Tractus opticus) zu den seitlichen Kniehöckern, schließlich von dort bogenförmig als Sehbahn zu den Gehirn-Sehzentren zu beiden Seiten des Hinterkopfes.

Schließlich ist der Sehnervenkopf die Eintrittsstelle für die Netzhautgefäße, die aus dem Blutkreislauf des Gehirns gespeist werden. Auch die Gefäße, die die Sehnerven, die Aderhaut und die Augenhöhle versorgen, entspringen dem Gehirnkreislauf.

Schädigungen der Nervenfasern durch erhöhten Augeninnendruck oder chronisch gestörte Durchblutung führen zu einem Absterben der Fasern, wodurch es zum Gewebeverlust im Sehnervenkopf, zur Aushöhlung des Sehnervenkopfes (Papillenexcavation) kommt.

Erhöhter Hirndruck führt zur Schwellung der Sehnervenköpfe – Kopfschmerzen können ein Warnsignal solch einer Störung sein. Daher sollten Kopfschmerzen immer auch augenärztlich abgeklärt werden.

Ein Infarkt des Sehnervenkopfes kann plötzlich zum schmerzlosen Sehverlust führen, ebenso wie ein Zeckenbiss oder Gefäßentzündungen. Grundlage der gezielten – manchmal Lebens rettenden - Behandlung ist die augenärztliche Diagnostik.

Die Augenhöhlen

Die Augenhöhlen – Schutz und Drehlager für die Augäpfel

Ihre Aufgaben als Sehorgan erfüllen die Augen im Zusammenspiel mit den Anhangsgebilden, eingebettet in die Augenhöhlen.

Die Augenhöhlen sind spitze, nach vorne offene Trichter, die zu beiden Seiten des Nasenrückens in den Schädel hineinragen. Die knöchernen Wände der Nasennebenhöhlen und der Schädelbasis grenzen jede Augenhöhle (Orbita) ab. In ihnen liegen die Augäpfel geschützt vor äußeren Einflüssen, beweglich gelagert in Bindegewebe und Fettpolstern.

Da das venöse Blut aus der Augenhöhle und von den Lidern teilweise zum Gehirn abfließt, besteht hier eine Eintrittspforte für Keime, die das Gehirn gefährden können. Entzündungen in diesem Bereich bedürfen daher besonderer Aufmerksamkeit.

Wegen der räumlichen Enge in den Augenhöhlen können Entzündungen, Raumforderungen, Blutungen, Verletzungen u.a.m. die darin liegenden Organe schädigen, auch wenn äußerlich wenig beunruhigendes erkennbar ist.

Verletzungen im Bereich der Augenlider oder der Augenhöhle sollen daher immer schnell ärztlich abgeklärt werden.

Augenmuskeln

Ständig in Bewegung – Augenmuskeln als Präzisionsstellglieder

Die sechs äußeren Augenmuskeln wirken als feine Zügel, welche die Augäpfel blitzschnell und nahezu unermüdlich in alle Richtungen drehen können, aber auch Gegenrollungen bei Kopfneigungen oder beim Laufen vollbringen. Die aktive und passive Augenbeweglichkeit (Motilität) bestimmen das Augenmuskelgleichgewicht. Meistens verrichten die Augenmuskeln Haltearbeit, wenn ein Sehding fixiert wird, oder glatte Folgebewegungen, wenn ein bewegtes Sehding fixiert wird, oder kleine Rucke (Sakkaden) wie beim Lesen, oder die Sehachsen werden zur Naheinstellung nach innen gewendet (Konvergenz). Die Nervenimpulse dazu werden über drei Hirnnerven III, IV, VI vom Hirnstamm und anderen Gehirnschaltstellen ausgesendet.

Auf ihrem langen Weg in die Augenhöhlen, in welche sie durch Öffnungen in den knöchernen Wänden gelangen, sind die Nerven durch Verletzungen, Durchblutungsstörungen, Raumforderungen, Entzündungen gefährdet, ebenso wie die Sehnerven und die nachgeschalteten Sehstufen.

Ist ein Augenmuskel gelähmt oder in seiner Bewegung behindert, z.B. wegen einer Entzündung, dann schielen die Augen und Doppelbildwahrnehmung tritt ein, weil die Sehachsen nicht mehr gekoppelt geführt werden: je mehr die Blickrichtung in Zugrichtung des betroffenen Muskels geht, desto größer sind der Schielwinkel und der Doppelbildabstand. Zum Ausgleich kann eine Kopfhaltung bevorzugt werden, die einer Blickrichtung entgegen der Zugrichtung entspricht. Man spricht dann von einer Kopfzwangshaltung aufgrund eines Lähmungsschielens. Kopfzwangshaltungen sind typisch für das oben beschriebene erworbene Lähmungs-Schielen.

Kindliches Schielen beruht dagegen meist auf Fehlsteuerungen der Augenmuskeln untereinander, wobei sich der Schielwinkel mit der Blickrichtung wenig ändert. Man spricht von Begleitschielen.

Zusammen mit den angesprochenen Hirnnerven versorgen weitere Nerven die Lederhaut und die Hornhaut bezüglich Schmerzempfindung. Andere steuern über die inneren Augenmuskeln der Regenbogenhaut die Pupillenweiten, oder ziehen zu den Tränendrüsen seitlich oberhalb der Augäpfel und zu den Lidmuskeln.

Bindegewebige Kammern gliedern die Augenhöhle, nach vorne bildet eine Scheidewand die vordere Grenze, vor der die Lider und weitere Anhangsgebilde liegen.

Der Tränenapparat

Der Tränenapparat – ohne Schmieren geht nichts

Die Tränenflüssigkeit hat die Aufgabe die Hornhaut und Bindehaut zu benetzen, so dass eine glasklare, glatte Hornhautoberfläche entsteht. Dies ist Voraussetzung für gutes Sehen, denn eine unebene, trübe Hornhautoberfläche führt zu unscharfen Bildern im Auge. Gelangen Fremdkörper an das vordere Auge spült der Reiz bedingt vermehrte Tränenfluss, unterstützt vom Lidschlag, die Fremdkörper von der Hornhaut und aus den Bindehautsäcken.

Der wässrige Anteil der Tränenflüssigkeit wird von den Tränendrüsen gebildet. Er enthält Salze, Nährstoffe, Sauerstoff und Keim abwehrende Bestandteile. Weitere Bestandteile sind Schleim, welcher von Bindehautdrüsenzellen gebildet wird. Er schützt Bindehaut und Hornhaut und sorgt für die Gleitfähigkeit der Gewebeblätter. Ölige Bestandteile werden in den Drüsen der Lider gebildet. Sie überziehen den wässrigen Tränenfilm und begrenzen dadurch z.B. die Verdunstung. Durch den Lidschlag, der alle 5-10 Sekunden unbewusst ausgelöst wird, wird der Tränenfilm regelmäßig erneuert.

Überschüssige Tränenflüssigkeit sammelt sich als Tränensee an den Lidkanten und wird vom Lidschlag zu den inneren Lidwinkeln befördert. Dort fließt sie durch je zwei feine Öffnungen, die Tränenpünktchen in die Tränenkanälchen, welche in die Tränensäcke münden. Die Tränensäcke liegen in knöchernen Vertiefungen seitlich beidseits des Nasenrückens.

Von den Tränensäcken geht je ein Tränen-Nasengang in den Nasenrachenraum ab, wohin die Tränen abfließen. Das erklärt, warum man sich schneuzen muss, wenn Tränen fließen. Sind die ableitenden Tränenwege nicht durchgängig, oder liegt eine Lid-Fehlstellung vor, dann fließen die Tränen über die Lider und die Backen – man spricht von Tränenträufeln (Epiphora).

Mangel an Tränen oder schlechte Tränenqualität kann als Alterserscheinung, bei Autoimmunkrankheiten oder Allgemeinerkrankungen, als Nebenwirkung von Medikamenten, bei vermindertem Lidschlag, aufgrund von Lidstörungen oder Umwelteinflüssen auftreten. Man spricht von „trockenen Augen“ – richtiger ist es von Benetzungsstörungen zu sprechen.

Augenlider

Augen-Fensterläden – die Lider

Die Lider bestehen aus einer dünnen äußeren Hautschicht, sowie aus einem knorpeligen inneren Blatt (Tarsus), das den Lidern Steifigkeit verleiht. Die Innenseite wird von Bindehaut bedeckt. Dicht unter der Hautschicht verlaufen Ausläufer der Gesichtsmuskulatur, welche den Lidschluss bewirken. Lidmuskeln aus der Augenhöhle setzen an den knorpeligen Blättern an, um die Lider zu öffnen und die Augen offen zu halten.

Wimpern an den Lidkanten wirken als Schutz gegen Fremdkörper und Licht. Eine regelrechte Lid- und Wimpernstellung ist Voraussetzung für die Schutzfunktion der Lider. Bei Fehlstellungen, beispielsweise nach Verletzungen, können Wimpern scheuern, oder der Tränenfilm wird gestört. Lidkantenentzündungen können zu chronischen Beschwerden führen.